12. Juni

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.  Lukas 19,10

Absurditäten

Für unseren Lebensunterhalt arbeite ich als Krankenpfleger auf der Intensivstation des kleinen Krankenhauses am Rande der großen Stadt. Da wir nicht die Uniklinik sind, werden wir nicht so häufig, aber doch immer wieder einmal vom Notarzt angefahren. Der bringt dann eine Patientin oder einen Patienten mit, der in irgendeiner Weise lebensbedrohlich erkrankt ist. Natürlich sind wir alle, die dort arbeiten und diesen Patienten aufnehmen gesund. Der ein oder andere war vielleicht früher mal auch selbst Patient, manche sogar auf der eigenen Station, aber in diesem Moment sind alle gesund und fit. Wir schauen uns jeden der da gebracht wird gut an. Ist er vielleicht selbst schuld an der Krankheit? Hat sie vielleicht zu viel Alkohol getrunken, oder sogar Betäubungsmittel genommen. Jahrelang geraucht? Oder auch sehr schön: keinen festen Wohnsitz mit allen appetitlichen hygienischen Folgen? Es gibt so viele die einer Behandlung in unserem schönen kleinen sauberen Krankenhaus nicht würdig sind! Gut dass wir diese Patienten einfach weiter schicken können! Sollen doch die anderen sich mit solchem Patientengut abgeben. Am liebsten nehmen wir Patienten auf, die so sind wie wir: wenn überhaupt, dann ganz unverschuldet krank, ansonsten gut bürgerlich, freundlich, gepflegt und gutaussehend.

Wenn es so wäre, ich glaube die Medien würden sich mit Begeisterung auf uns stürzen!

Doch leider ist diese Geschichte nicht so weit her geholt wie ich es gern hätte. Denn genau dieses Denken begegnet mir immer wieder. Bei mir, in meiner Gemeinde, im evangelikalen Lager und jetzt in diesem Text. Wenn du selig, also gerettet werden willst, dann solltest du annähernd so sein wie ich. Ja, es ist okay wenn es da ein paar kleinere Dinge gibt, die nicht zu einem Leben mit Gott passen. Das kriegen wir schon hin. Aber wenn es doch was größeres ist, dann tut es mir leid, aber dann geh bitte weiter. Nicht das ich noch was von deinem Dreck abbekomme! Wenn überhaupt, dann sind da andere zuständig! Wir haben da einen Kreis, der beschäftigt sich mit sowas. Oder wir haben ja auch eine Missionsgesellschaft, da Spende ich auch regelmäßig. Oder einen Pastor, geh doch zu dem….

Die Pharisäer hatten sich sehr über Jesus aufgeregt, weil er sich mit dem aus ihrer Sicht Abschaum der Gesellschaft an einen Tisch setzt. Und Jesus gibt ihnen diese Antwort. Und ich merke, ich brauche nicht so sehr mit dem Finger auf die dummen Pharisäer zeigen. Ich merke diese Antwort trifft auch mich. Habe ich vergessen wie auch ich nicht gerettet wurde, weil ich es verdient hätte? Wie auch ich aus Lebensgefahr, dreckig und mit Läusen im Haar zu Jesus kam? Wie absurd doch das ganze ist!

Danke Jesus, du stellst wieder einmal die Dinge richtig dar. Zeigst uns die Absurditäten unseres Lebens. Wir brauchen dich alle. Ohne Ausnahme. Hilf uns diese Woche dem wieder näher zu kommen.

AL

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