Im Frühtau…

DSC_0031Glaube bitte nicht ich sei ein Frühaufsteher. 7.00 Uhr ist einfach meine Zeit. Unter der Woche ein bisschen früher, am Samstag auch mal gerne länger. Gestern Abend sage ich zu meinem Mann; „Wenn ich morgen um 7.00 Uhr wach werde, gehe ich laufen.“ Ich werde um 6.25 Uhr wach. Und mein Schweinehund scheint auch schon munter zu sein. Also bleibe ich bis um 7.00 Uhr liegen und gebe mir dann einen Ruck. Ich liebe das, mich aus der schlafenden Wohnung zu schleichen. Mit dem Auto fahre ich 2 Minütchen zu meiner Lieblingsstrecke. Es ist herrlich. Kein Wölkchen am Himmel. Der einzig weiße Fleck ist der riesige Mond. Alles ist so frisch und klar. Ich laufe los. Die langen Grashalme am Wegrand pinseln mir Tau auf die Beine. Ich nehme Grillenzirpen wahr. Ein Inbegriff von Urlaub für mich. Ich kann mich nicht erinnern, dass in meiner Kindheit zu Hause Grillen zu hören waren. Auf den Campingplätzen auf denen wir Urlaub machten schon.

Ein Reiher steht steif am Ufer der Dreisam als hätte er einen Stock verschluckt. Er fliegt auf, ganz flach über das Wasser. Fast tauchen seine Flügelspitzen ein. Wieder setzt er sich auf einen Beobachtungsposten und ich denke, „Na da wirst du dich gleich wieder unwohl fühlen“. Jetzt höre ich einen Kuckuck, und bemerke wie viele andere Vögel schon die ganze Zeit zu hören waren. Wundervoll!!! Ich scheine ganz alleine mit der Natur zu sein. Der Reiher fliegt wieder auf, kreuzt meinen Weig und fliegt einen großen Bogen. Er scheint sich hinter mir wieder ans Ufer setzen zu wollen. Schlaues Kerlchen. Oh ich bin doch nicht alleine. Links  neben mir zwischen den Feldern sehe ich drei Jogger. Kenne ich die? Sie laufen recht langsam. Vielleicht eine lange Strecke oder Einsteiger? Meine Strecke am Deich ist zu Ende und unsere Wege kreuzen sich. Es ist ein älteres Ehepaar und ein Mann der fragt „Ist das Tempo so gut?“. Cool die Zwei scheinen ihren Personal Trainer dabei zu haben.

Nun laufe ich zwischen den Feldern her. Der Mais schaut  schon einen Finger lang aus dem Boden. Wie gleichmäßig die Pflanzen gesetzt wurden. Da hat sich jemand echt Mühe gegeben. Aber, dass sie tatsächlich wachsen, konnte er nicht bewirken.

Hinter einen Feld mit undefinierbaren hohen Blumengestrüpp höre ich einen Fasan. Ich weiß genau wo er stehen muss. Irre wie fein die Sinne in der Stille werden. Er muss hinter dem Blumengestüppfeld zu sehen sein. Drei, zwei, eins, da ist er…aber er sieht mich und rennt in das Feld zurück.

Schon die ganze Zeit rede ich in Gedanken mit Gott. Ich bin fasziniert von seiner Schönheit. Er versorgt, er bestimmt, er lässt wachsen…. nun möchte ich hören.

Nach einer ganzen Weile bemerke ich drei Vögel. Sie stehen weit vor mir auf dem Weg. Der eine ist wieder ein Fasan. Die zwei Anderen kann ich noch nicht erkennen.  Als erstes bemerkt mich der Fasan und rennt weg. Er hatte die zwei anderen Vögel beobachtet. Als diese auffliegen lässt der Eine etwas fallen. Jetzt erkenne ich einen Bussard und einen Raben. Der Rabe verfolgt den Bussard. Dieser setzt sich auf die unterste Etage eines Strommasten, der Rabe auf die Nächste darüber. Er wartet kurz, dann lässt er sich steil nach unten fallen und möchte den Bussard treffen. Er verfehlt ihn und fliegt weg. Richtig so „Hau nur ab und lass den Bussard in Ruhe“. Ein zweiter Bussard kreist kurz um den Ersten und dreht dann wieder ab.

Ich bin neugiereig was der Bussard auf dem Weg fallen lassen hat. Kurz bedaure ich ihn, den Babyhasen. Aber schon denke ich „Jetzt müsste ich den Hase zu dem Bussard bringen, damit der zu seinem Frühstück kommt“.  Den frechen Raben kann ich nicht leiden. Naja, wenn ich weg bin wird der Bussard sicher zurück kommen.

Dann wundere ich mich über meine Gedanken. Schon oft hatte ich Angst um unsere eigenen Hasen, wenn wir sie im Freigehege auf der Wiese hatten. Wenn jetzt ein Bussard käme…. Und jetzt tut mir der Bussard leid, weil er um sein Frühstück gekommen ist?! Naja, aber was soll er sonst essen. Er ist nun mal kein Vegetarier. Wieder denke ich, wie Gott alle versorgt. Wie er den Einen etwas nimmt um es dem Anderen zu geben. Er versorgt, er bestimmt, er lässt wachsen…

Mt 6,26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?

Wenn er sich um das Frühstück des Bussard kümmert und von allem genug hat, wieviel mehr möchte er sich um uns Menschen kümmern.

Jetzt laufe ich um die letzte Kurve und bin wieder an der Dreisam. Ich entschließe mich für den Weg über den Deich, obwohl der schmal und somit nass werden wird. Der Tau setzt sich auf meine Schuhe.

Hier habe ich einmal einen 20€ Schein gefunden, fällt mir wieder ein. Wie cool war das denn. Damals hatte ich mich bei Gott beschwert, dass er in der Bibel sogar Vögel benutzt um einen seiner Mitarbeiter mit Brot zu versorgen.

Mt 7,7 Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Diese Verheißung hatte ich damals einfach mal ausprobiert.

„Gott ich glaube, dass du das heute noch genau so kannst, wie damals in der Bibel. Wenn du möchtest kannst du mir hier etwas vor die Nase auf den Weg legen.“

Er hatte damals nicht gleich geantwortet. Erst 3-5 Tage später, als ich meine Bitte schon fast wieder vergessen hatte.

Diese Stunde heute Morgen war herrlich. Ich fühle mich beschenkt und bin dankbar.

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Eine Antwort zu “Im Frühtau…

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