Eine etwas andere Ostergeschichte

DSC_0253Das Erbe

Es war einmal ein Uhrmacher. Er liebte sein Handwerk und verfeinerte seine Kunst mehr und mehr. Eines Tages beschloss er eine ganz besondere Taschenuhr zu bauen. Er suchte die besten und wertvollsten Materialien aus. Das Uhrwerk war aus reinem Gold. Er arbeitete Tag und Nacht daran bis sie schließlich fertig war. Er nahm dieses Meisterstück und schenkte es seinem ersten Sohn zum Geburtstag.

„Nimm diese Uhr und trage sie immer bei dir. Lege sie nicht in eine Schublade, sondern benutze sie. Sie wird dir helfen die Zeit richtig zu bestimmen. Wenn du eines Tages auch einen Sohn hast und es für dich an der Zeit ist, dann vererbe diese Uhr an deinen Sohn weiter. So soll er das dann auch wieder tun. Eines ist aber wichtig. Lass die Uhr so wie sie ist, denn so ist sie sehr gut.“

Der Sohn freute sich sehr über dieses besondere Geschenk. Er trug sie immer bei sich und schaute gerne wie spät es ist. So war er immer und überall pünktlich. Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht am Sonntag Mittag in einen schönen Park zu gehen. Dort gab es eine Bank unter einer Trauerweide  am See. Hier saß er als ein anderer Junge sich zu ihm setzte. Sie saßen eine Weile da und schauten den Schwänen zu. Dann holte der Sohn seine Uhr hervor um zu sehen wie spät es ist.

„Was hast du denn da für eine besondere Uhr?“

„Sie ist ein Geschenk von meinem Vater und sie ist wirklich sehr besonders, denn er hat sie extra für mich gemacht.“

Der fremde Junge nahm sie um sie sich genauer anzusehen. „Aber wenn er sie für dich gemacht hat, dann solltest du deinen Namen eingravieren lassen.“

„Ich weiß nicht, mein Vater hat gesagt ich soll sie nicht verändern.“

„Erst wenn sie deinen Namen trägt, weiß man doch, wem sie wirklich gehört. Es kostet auch nicht viel, nur einen Euro pro Buchstabe.“

„So viel Geld habe ich nicht.“

„Du solltest aber unbedingt deinen Namen darauf schreiben, sonst könnte sie dir noch jemand stehlen. Weißt du was, gib mir die Uhr mit. Ich bezahle das für dich.“

Und ehe der Sohn richtig darüber nachgedacht hatte ging der fremde Junge mit der Uhr davon. Der Sohn bekam ein seltsames Gefühl im Magen. Aber schon war der Fremde nicht mehr zu sehen. Erst spät ging er an diesem Tag nach Hause. Er schämte sich.

„Du kommst spät, ist etwas passiert?“ fragte ihn sein Vater als er heim kam.

„Ja es ist spät, Zeit schlafen zu gehen.“ Mehr traute sich der Junge nicht zu sagen.

Der Vater merkte gleich, dass etwas mit der Uhr geschehen sein musste, denn sein Sohn hätte nie davon gesprochen, dass es Zeit für etwas ist, ohne dabei auf seine Uhr zu sehen. Der jüngere Bruder bemerkte die seltsame Stimmung und fragte den Vater nach dem Grund. Der Vater erzählte dem zweiten Sohn was er vermutete.

Der zweite Sohn begann gleich am nächsten Tag nach der Uhr zu suchen. Er fragte alle Kinder die er auf der Straße traf, ob sie den Jungen mit der Taschenuhr gesehen hätten. Erst spät am Abend kam er an einem Uhrengeschäft vorbei. Dort lag die Taschenuhr im Schaufenster. Er erkannte sie sofort. Aber was war das? Ein Preisschild hing daran! Sie sollte 700 Euro kosten.

Der Bruder stürmte in den Laden und gleich zu dem Besitzer. „Die neue Uhr in ihrem Schaufenster, die gehört meinem Bruder. Gestern wurde sie ihm gestohlen. Sie müssen sie ihm wieder geben.“

„Dein Bruder kann diese Uhr bei mir kaufen, sie kostet 700 Euro.“

„Aber das geht doch nicht, sie gehört doch ihm. Mein Vater hat sie für ihn selbst gebaut. Außerdem hat er niemals so viel Geld.“

„Also gut, wenn er das Geld nicht hat, dann kann er für mich arbeiten. Er kann nach der Schule kommen, an den Samstagen und in den Ferien.“

Der Bruder schluckte. So viel Geld, dafür müsste sein Bruder sehr lange arbeiten! Er wusste was das heißt. Er hatte dieses Geld. Er sparte schon sehr lange all sein Taschengeld. Er übernahm kleine Jobs am Wochenende und nach der Schule. Wenn die anderen Jungs im Freibad oder auf dem Fußballplatz waren verteilte er Zeitungen, mähte den Rasen in der ganzen Nachbarschaft, wusch Autos, hackte Holz und war am Abend sogar schon ab und zu Babysitten gegangen. Er wollte einen Motorroller-Führerschein machen und sich dann natürlich auch einen Roller kaufen können.

Aber was bedeutete das jetzt schon. Schnell fasste er seinen Entschluss. Er rannte nach Hause, holte sein Geld und kaufte die Uhr seines Bruders zurück. Wieder zu Hause sagte er zu den anderen.

„Ich habe einen Bären Hunger“ Dann nahm er die Uhr aus der Tasche und reichte sie seinem Bruder. Er nahm sie dankbar und überglücklich an und klappte sie auf.

„Zeit zum Abendessen“

Der Vater aber wusste, dass es den Bruder alles gekostet hat was er besaß. Er war sehr glücklich über dieses Opfer und überlegte schon, wann er ihn wohl in der Fahrschule anmelden wollte.

Bettina Lügger

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