Sandburgen

Ich habe meine Kinder beobachtet. Mein ältester Sohn war auf Klassenfahrt auf Amrun. Dort haben sie eine Legende gehört, dass ein Mann im Wattenmeer von der Flut überrascht wurde und nur überlebt hat, weil er sich einen Berg aus Sand gebaut hat.
Jetzt im Urlaub waren wir am Abend am Strand. Erst haben die Kinder trotz Kälte in den Wellen getobt. Dann als es ihnen zu kalt wurde, haben sie beobachtet wie die Flut immer weiter den Strand hoch kroch.
Plötzlich viel meinem Sohn wieder die Geschichte ein. Er begann einen Sandberg zu bauen. Als die Wellen ihn berührten stellte er sich erwartungsvoll darauf. Doch nach kurzer Zeit musste er sein Bauwerk verlassen um keine nassen Füße zu bekommen. Und jetzt kommt die vorbildliche Reaktion darauf.
„Morgen will ich schon am Morgen anfangen, wenn die Flut gerade gegangen ist und den ganzen Tag bauen.“
So ungefähr haben wir es gemacht. Er hat den ganzen Vormittag gebaut, mehrere Schutzwälle um die eigentliche Burg gezogen und die Standfläche in der Mitte mit zusätzlichen Steinen befestigt. Am Mittag waren wir zum Grillen wieder zu Hause und haben die Jungs danach gleich wieder zum Strand gelassen. Als die Flut kam sind wir Eltern auch zurück an den Strand gegangen um zu schauen, was nun mit der Burg passiert. Jesper hat gebuddelt bis zur letzten Minuten und noch einen weiteren Wassergraben um die Burg gezogen. Dann hat er sich mit seinem Bruder in die Burg gestellt. Sie hat unter großem Triumphgeschrei wirklich lange Stand gehalten. Die Steine haben ein paar Wellen abgehalten. Doch am Ende war doch alles überflutet. Am nächsten Morgen war bei Ebbe nicht mal mehr der Ort wieder zu erkennen, an dem die Burg gestanden hat.

Ist das nun traurig?
Nein ganz und gar nicht. Der Schöpfer der Burg hat sich so lange wie möglich seinem Werk gewidmet. Er hat alles hineingesteckt was möglich war. Für einen Tag war die Sandburg eine stolze Festung, ein Denkmal für einen leidenschaftlichen Baumeister. Das Leben einer Sandburg ist kurz, aber schöner hätte dieses nicht sein können.

Wer bist du nun in dieser Geschichte? Schöpfer? Geschöpf? Oder beides?

Ich glaube ich habe einen Schöpfer, der genau weiß, dass nach meinem Leben, nach einer gewissen Zeit, keine oder nur sehr blasse Spuren auf dieser Erde zurück bleiben werden. Trotzdem gibt er alles dafür aus mir die beste Version zum Vorschein zu bringen. Er gibt sich hin und arbeitet bis zum Schluss dafür, dass ich am Ende bestehen kann. Dabei wird an mir deutlich seine Handschrift sichtbar.
Anders als die Sandburg habe ich ein Mitbestimmungsrecht. Ich kann mich dazu entscheiden welcher Baumeister an mir arbeiten darf. Ich kann mich formen lassen, aber ich kann auch störrisch wieder zusammenfallen.

Was machst du nun heute mit dieser Geschichte?
Sei dir gewiss, dass du einen Baumeister hast, der genau heute alles geben wird um aus dir das Beste hervor zu bringen. Folge seinem Beispiel und gib auch du dein Bestes um aus diesem Tag alles heraus zu holen. Gemeinsam könnt ihr diesen Tag unvergesslich machen, auch wenn er morgen schon verflossen ist.

 

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