Vienna City Marathon 2018

Marathonmesse 2018 Wien

Andreas und Bettina Lügger holen ihre Startnummern zum 35. Vienna City Marathon ab

10 Wochen Training bei Wind und Wetter, bei -9 °C und Hagel, vier Mal in der Woche. Das lag alles schon hinter uns bevor wir unsere Reise nach Wien angetreten sind. Und dann muss man den Tag nehmen wie er kommt. Der Himmel wolkenlos und schon 18°C beim Start. Später sind es 27°C. Ein langes Stück der Strecke führt an der Donau entlang über die Schüttelstraße. Die Sonne brennt auf den Asphalt. Wer jetzt nicht vorher genug getrunken hatte kommt schon bei km 6-9 an seine Grenzen.

Theater der Emotionen

Nicht umsonst trägt der Wien Marathon diesen Untertitel, auch wenn er so gemütlich im 3/4 Tackt beginnt. Jeder der hier antritt, ob zum Halbmarathon, der Marathon Staffel, oder für die volle Marathon Distanz, kommt an seine Grenze und muss sie überwinden. Wenn dann die Tagesform, oder die Bedingungen nicht stimmen, beginnt das Theater der Emotionen.

Unsere eigenes Theaterstück

10 Tage vor dem Start wechselt mein Mann seinen Arbeitsplatz im Krankenhaus von der Intensivstation in den OP. Schon leicht angeschlagen reicht ein Tag volle Klimaanlage, um ihn aus der Bahn zu werfen. Zwei Tage bleibt er zu Hause, und hält auch am Wochenende den Ball flach, doch dann muss er wieder arbeiten. Am Tag der Abfahrt hat er immer noch einen starken Husten. Die Klimaanlage im ICE macht das noch schlimmer. Zwei Abende nutzt er das Türkische Dampfbad im Hotel um seine Lunge zu beruhigen. Es wirkt!!!

Gemeinsam am Start

Wir treten zusammen an! Wir werden es beide versuchen unsere Zielzeit von 4:20-4:30 zu schaffen. Andreas hat die Freiheit auszusteigen, wenn es nicht geht und ich habe die Freiheit alleine voraus zu laufen und raus zu holen was geht. Die ersten Kilometer läuft es gut. Doch schon vor der Halbmarathon Marke kann Andreas nicht mehr zu mir aufschließen und lässt mich rennen.

In Gedanken ganz beim Anderen

Auf der Hauptallee wird es wieder stechend heiß. Ich rechne die Zwischenzeiten durch und erkämpfe mir jeden einzelnen Kilometer. „Komm noch einen unter 6:10 und den nächsten noch mal…“ Doch es geht nicht mehr. Ich werde langsamer und die 4:20 ziehen davon.
Am Starßenrand steht eine Band mit einem Plakat: „Mit Jesus läuft´s besser!“ Die Zeile die mir zugesungen wird lautet auf Deutsch „Du bleibst dir treu und wirst nicth müde, (…) und ich fahr auf mit Adlers Schwingen“ Das war genau das Richtige!
Zum Stadion raus verläuft die Strecke mit Gegenverkehr. Immer noch kein Schatten. Nach der Wende halte ich Ausschau nach Andreas. Ist er beim Halbmarathon ausgeschieden, oder noch im Rennen? Plötzlich höre ich meinen Namen und freue mich wahnsinnig, dass er noch dabei ist. Die Strecke biegt wieder auf die Hauptallee und es gibt Schatten. Wieder ist die Strecke mit Gegenverkehr, also habe ich eine Chance ihm etwas zu sagen. Was baut ihn jetzt auf? Was sage ich ihm? Dann sehen wir uns, klatschen uns ab und er feuert mich an: „Hau das Ding in`en Kasten jetzt!“ Okay das war genau das was ich jetzt gebraucht habe. Er war schneller. Noch lange brennt meine Hand vom Abklatschen, was wie ein Turbo wirkt.

Jetzt lauf ich für uns beide

Noch einmal hochrechnen wieviel Minuten mir pro Kilometer bleiben. Ich muss unter 6:40 bleiben, dann ist es noch drin die 4 Stunden 30 Minuten zu schaffen. Immer mehr Menschen um mich herum gehen bereits oder steigen aus. Immer wieder sieht man einen Krankenwagen und Sanitäter im Einsatz. Das ist heute echt ein Lauf gegen die Hitze. Ich wäge an jeder Wasserstation ab. „Zeit verschenken für eine Abkühlung?“ Wenn ich mir einen Becher kaltes Wasser über den Kopf schütte gibt es jedes Mal einen Adrenalin Kick und ich laufe sogar unter 5 Minuten. Doch wie oft kann ich das noch machen?

Wien Marathon 2018 im Ziel

Mit 4:30.30 ist Bettina Lügger beim Vienna City Marathon im Ziel. Andreas Lügger folg mit 4:44,43

Im Ziel

Die letzten 3 Kilometer ziehen sich noch mal ewig hin. „Wann kommt nur dieser blaue Teppich endlich?“ Nicht langsamer werden. Es geht noch…. Dann werden die letzten 500 Meter angezeigt und mein Blick auf die Uhr verrät: „Das wird saumäßig eng.“ Ich versuche noch mal anzuziehen und hau alles raus was noch da ist.
Am Ende sind es 4:30,30, ein Theater der Emotionen. Das erste Dixie gehört mir, dann setze ich mich auf eine Bordsteinkante und blicke in jedes Gesicht, auf der Suche nach meinem Mann. Wann und wie kommt er ins Ziel? Endlich sehe ich ihn. ERLEICHTERUNG!
Reden muss jetzt erst mal keiner, wir sind überwältigt. Seine Zeit 4:44,43

 

 

 

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3 Antworten zu “Vienna City Marathon 2018

  1. Das hast Du ganz toll geschrieben, hatte echt Pippi in den Augen. Ich kam mir vor, als ob ich dabei war. Toll gemacht. Sei stolz auf Dich.

  2. Hallo Bettina, Danke für deine Story, sehr schön geschrieben. Und vor allem „Herzliche Glückwünsche“ euch beiden. Theater der Gefühle-ist ein irres Gefühl, es geschafft zu haben. Ich kann vom Halbmarathon mitreden, es war spitze. Liebe Grüße Moni

    Hallo Moni, egal welchen Lauf man trainiert die letzten 2 km sind immer die schwersten 😉

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