28. August

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Psalm 103,2

Totale Vergesslichkeit
Unsere griechisch-römisch geprägtes Menschenbild hat der Verfasser dieses Satzes, David, nicht. Für den Hebräer besteht der Mensch nicht aus Körper, Seele und Geist, die zwar miteinander verbunden, aber doch auch einzeln zu betrachten sind. Die Vorstellung, etwas sei „seelisch“oder „geistig“ oder sogar „rein körperlich“ ist ihm völlig fremd. Für ihn ist der Mensch ein ganzes, nicht in Einzelteile zerlegbar. Das hebräische Wort für Seele meint eigentlich die Kehle. Und dann auch nicht als Organ, sondern deren Funktion. Der Punkt des Menschen, durch den alles eingeht, was lebensnotwendig ist. Atemluft, Essen und Trinken. Und der von Aussen sehr leicht verletzlich ist, und schnell über Leben oder Tod entscheiden kann. Wenn wir den Herrn loben wollen von ganzer Seele, dann ist daran gedacht, dass der ganze Mensch lobt, nicht als ein seelischer Vorgang, gleichsam unsichtbar, sondern der Mensch als ganzer bringt seine völlige lebensnotwendige Abhängigkeit von Gott zum Ausdruck. Und warum?
An was denkst du, wenn du daran denkst was Gott dir Gutes getan hat? Im Nationalen Gedächtnis der Israeliten hat sich vor allem anderen eines eingebrannt: die Rettung! Gott hat sein Volk aus Ägypten befreit. Das hat er gutes getan! Alles andere, das Land, der Frieden, der Lebensunterhalt, Familie u.s.w. sind nur folgen dieser einen Großtat. Das sollte von keinem  und niemals vergessen werden. Darum wurde es und wird es bis heute jährlich und ausführlich gefeiert. Es ist nicht schlimm vergesslich zu sein, es ist nur schlimm sich nicht zu erinnern. Dieser Satz fordert uns auf uns als ganze Menschen daran zu erinnern, dass Gott uns grundsätzlich gerettet hat, aus unserem Ägypten.
Egal wie es mir heute geht, egal was die Zukunft  bringt, daran will ich diese Woche denken. Und Gott dafür loben.

AL

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